Unsere Namensgeber
Warum ein Schulname - und warum welcher?
Seit dem Schuljahr 2005/ 2006 ist unsere Schule eine organisatorisch verbundene Grund- und Regionalschule. Dies ist einmal begründet in der Geschichte des Standortes Wallhausen – dort gab es immer die verbundene Grund- und Hauptschule, aus der die Regionale Schule entwickelt wurde – aber auch aus der tatsächlichen und intensiven organisatorischen Verflechtung der beiden Schularten am Standortes Wallhausen.
Ab diesem Schuljahr führte unsere Schule den Namen "Grundschule Wallhausen und Regionale Schule der Verbandsgemeinde Rüdesheim an den Standorten Wallhausen und Waldböckelheim" – Sie merken beim Lesen, dass das nicht wirklich zu bewältigen ist!
Also machte wir uns auf den Weg einen Namen zu finden, der das schwierige organisatorische Namenskonstrukt ablösen sollte.
Oft erhalten Schulen von ihrem Schulträger, der der eigentliche Namensgeber ist, einen Namen, der meist etwas mit der Region zu tun hat, in der die Schule angesiedelt ist. Das ist zum Beispiel geschehen mit der Grundschule Rüdesheim, die seit einiger Zeit den Namen "Grundschule am Rosengarten" führt. Aber bei uns zeigte sich da ganz schnell das Problem: Durch die beiden Standorte in Wallhausen und Waldböckelheim war das in unserem Falle nicht möglich, da es keinen verbindenden regionalen Aspekt gibt.
Also suchten wir nach einem Namen, der gleichzeitig das Programm der schulischen Arbeit darstellen sollte.
Als Schulleiterin erarbeitete ich als "Muster" einen Vorschlag, wie so etwas gefunden werden könnte: Ich stellte das Programm eines Pädagogen den Zielen unserer Arbeit gegenüber. Dabei wählte ich einen Pädagogen, dessen Leitvorstellungen zwar unserer Arbeit gut entsprachen, dessen Name aber aus meiner Sicht ein wesentliches Problem in sich trug: Er war nur sehr schwer schreibbar und hätte allen Beteiligten immer wieder ein Problem bereitet: "Janosz Korczak".
Dieser Name konnte es nicht sein, aber die Vorgehensweise der Namensfindung sollte so sein.
Die Suche gestaltete sich schwer: Soll es ein lustiger Name sein – es gibt ja auch die Grundschule!? Soll es ein Mensch aus der Politik, ein Literat, ein Pädagoge sein? Was passt zu den Zielen unserer Schule? Wer wird an der Suche beteiligt? Wollen wir die Namenssuche öffentlich machen? Überlassen wir uns der Weitsicht des Schulträgers ...?
Es war ein langer Prozess, der im Februar 2007 seinen Abschluss fand.
Wir haben uns entschlossen die Namenssuche im kleinen Rahmen der Schulöffentlichkeit zu belassen, damit keine öffentlichen Diskussionen den möglichen Namensvorschlag durch Gewinner- und Verlierervorstellungen beschädigt, bevor vom Schulträger darüber entschieden wird.
Mitgedacht hat das Kollegium, der Schulelternbeirat und die Schülervertretung. Vorschläge waren: Erich-Kästner-Schule, Helen-Keller-Schule und Geschwister-Scholl-Schule. Dieser letzte Vorschlag kam aus der Schülervertretung mit folgender Begründung:


· Die Geschwister Sophie und Hans Scholl sind junge Leute, mit denen Schülerinnen und Schüler sich leichter identifizieren können als mit irgendeinem wichtigen Erwachsenen.
· Die Geschwister Scholl haben in einer schwierigen Zeit, die nicht vergessen werden sollte, durch ihre Mitarbeit in der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gezeigt, dass es wichtig ist, seine Meinung zu vertreten, Flagge zu zeigen, sich nicht hinter der Masse zu verstecken.
· Auch in unserer Gesellschaft wird es zunehmend wieder wichtiger, sich zu seiner Meinung zu bekennen, sie zu vertreten und dabei zu merken, dass man durchaus auch etwas erreichen kann, wenn man sich für eine Sache mit guten und durchdachten Argumenten wirklich einsetzt.
· Gerade in unserer Zeit gibt es wieder deutliche Strömungen vom rechten politischen Flügel gegen Ausländer, gegen Menschen, die anders sind und anders denken. Gerade hier ist es wichtig Position zu beziehen, Zivilcourage zu zeigen und für Toleranz und ein Miteinander zu werben, damit Entwicklungen zu Zeiten des Dritten Reiches sich nicht wiederholen.
Auch der Schulelternbeirat, an den in einer Sitzung Anfang des Jahres 2007 die Überlegungen herangetragen worden waren, konnte sich diesen gut anschließen. Ein ergänzender Gedanke, eigentlich seien die beiden Standort ja auch wie Geschwister, unterstützte unser Vorhaben.
Der Schülersprecher Tim Kutschreund hat diese Gedanken sowohl in der Gesamtkonferenz als auch in der Verbandsgemeinderatssitzung am 27. Februar 2007 vorgetragen, in der über den Namen der Schule diskutiert und ein Beschluss gefasst wurde. Tim Kutschfreund hat sowohl das Kollegium als auch die politischen Vertreter überzeugt, so dass die Beschlussfassung einstimmig war. Das ist ein Grund auf ihn sehr stolz zu sein!
Somit haben wir jetzt einen richtigen Namen, den wir als Schule mit Inhalt füllen werden: Toleranz, Achtsamkeit füreinander, Zivilcourage, gegenseitige Unterstützung, ein größeres Maß an Teilhabe an der Gestaltung der Schule, Übernahme von Verantwortung füreinander und Einübung von demokratischen Grundformen sind die Stichworte dazu.
Die umfänglichen organisatorische Umstellungen - Stempel, Siegel, Zeugnisse, Formulare jeglicher Art - sind seit Beginn dieses Schuljahres 2007/ 2008 abgeschlossen.
Beim Tag der Offenen Tür am 18. Januar 2008 wird der Schulträger offiziell der Schule eine Namensurkunde verleihen. Bis dahin wird er auch an den Fassaden der beiden Schulstandorte zu lesen sein, dafür laufen die Vorbereitungen gerade ...